Album der Woche: Diverse – REFUGEES WELCOME – GEGEN JEDEN RASSISMUS

Musikexpress - 08.04.2016

aus: http://www.musikexpress.de/reviews/diverse-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus/

Die ästhetische Deformation von Benefiz-Samplern ist ein gern verschwiegenes Ärgernis. Auch in dieser Rezension taucht es nur als Nebenwiderspruch auf, da bei dieser Zusammenstellung zum Glück mal nicht nur der Zweck gut ist.

Jedes Album, das man ersteht, möge gut sein, doch dieser Wunsch erlebt bei Zusammenstellungen für „den guten Zweck“ noch mal echte Potenz. Man möchte sie schließlich nicht nur stark finden, sondern muss es ja eh. Mit ihrer Disposition sind sie kaum zu kritisieren, ohne dass ihre Kritiker sich gleich mit dem zu vertreibenden Unrecht gemein machen. „Dieses neue Album für den Klimaschutz ist echt der letzte Rotz“ – noch weniger beliebt macht man sich da nur, wenn man im Zoo Pandas abknallt.

So wird unter dem Benefiz-Banner auf ewig viel Halbgares durchgewinkt. Auch wenn der Weltgeist ächzte, als es vor einigen Monaten galt, einer Platte pro Refugees zumindest höflich Applaus zu spenden. Einer Platte, die bei 36 Interpreten nur eine Frau transportierte. Weiße männliche Mittelstandslogen gegen Nazis? Sorry, das Schulterklopfen müsst ihr euch selbst geben. Denn es geht auch anders, wie dieser Sampler aus dem Dunstkreis des Testcard Verlags beweist. Das linke Electropop- und Punkmilieu wurde abgeklappert, HipHop inklusive – am Ende stellte man ein dem Sujet angemessen biestiges Fanal auf.

Den schöngeistigen Protestsong, der klingt wie die musikgewordene Slogankünstlerin Barbara (Gewalt von rechts wie auch links ist zu verurteilen!), sucht man vergebens. Sinnbildlich eher die Egotronic-Produktion „Deutschland, Arschloch, fick dich!“ oder „Deutlich unterbewaffnet in Hellersdorf“ von Das Flug. Dazu kommen neben viel Infomaterial unveröffentlichte Stücke von Sookee, Brockdorff Klang Labor, Frittenbude, Pisse … Eröffnet wird das alles von Dirk von Lowtzows zauberhaftem „Fuck You Frontex“. Making Benefiz a threat again.

Lautstarkes Signal gegen Rassismus

GALA - 08.04.2016

aus: http://www.gala.de/stars/news/starfeed/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus-lautstarkes-signal-gegen-rassismus_1423510.html

So lange Deutschland ein Rassismus-Problem hat, werden Musiker dagegen ansingen. Einen gelungenen Beitrag liefert „Refugees Welcome“.

Musikalische Kommentare zur Flüchtlingskrise gibt es bereits viele. Der neue Sampler „Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus“ ist dennoch etwas Besonderes, denn hier sind ausschließlich Künstler und Bands vertreten, die sich seit Jahren politisch und sozial einschlägig engagieren. Dabei stehen größere Namen wie Tocotronic-Frontmann Dirk von Lowtzow und Beginner-Rapper Denyo neben Indie-Senkrechtstartern wie Feine Sahne Fischfilet und der Antilopen Gang sowie Underground-Helden wie Das Flug und Sookee.

Glattgebügelte Betroffenheitsfloskeln bleiben dem Hörer erspart, stattdessen gibt es vehemente Aufrufe zu Solidarität und wütende Abrechnungen mit der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik sowie dem alltäglichen Rassismus. Da erinnern etwa Frittenbude an den immer noch ungeklärten Tod von Oury Jalloh, Kobito und Spezial-K gruseln sich vor den ewig gestrigen „Walking Deutsch“ während Berlin Boom Orchestra betonen, dass es ihnen „Ums Ganze“ geht. Musikalisch sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein, das Spektrum reicht von (Punk-)Rock über Rap und Reggae bis zu elektronischen Sounds.

Einige Beiträge sind exklusiv auf dem Sampler zu finden oder werden hier erstmals auf einem physischen Tonträger veröffentlicht. Ergänzt werden die Songs durch ein prall gefülltes Booklet, das mit teilweise erschütternden Fakten über die weltweiten Fluchtbewegungen, die deutsche und europäische Asylpolitik sowie die wachsenden rechtsextremen Strömungen informiert. Sämtliche Einnahmen aus „Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus“ will die Plattenfirma Springstoff an antirassistische Initiativen spenden.

Online rules

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Na, da sind mal ein paar Rezensionen zusammengekommen!
Viel Spaß beim Stöbern:

http://hiphop.de/magazin/news/fck-you-frontex-antilopen-gang-co-veroeffentlichen-album-gegen-rassismus-289422

http://www.visions.de/news/24507/Soli-Sampler-Refugees-Welcome-Gegen-jeden-Rassismus-angekuendigt

http://www.cityguide-rhein-neckar.de/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus/

http://soundchecker.koeln/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus-vinyl-und-cd-ab-dem-08-04-2016-erhaeltlich

http://www.theclubmap.com/2016/03/02/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus/

http://hiphop-releases.de/deutschrap/various-artists-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus

http://www.mix1.de/music/various-artists/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus/

http://hiphop.de/thema/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus
http://hiphop.de/release/various-artists-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus

http://www.freshmilk.tv/blog/sampler-gegen-rassismus/

http://www.musik-magazin-blog.de/cd-projekt-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus/

http://www.plattentests.de/forum.php?topic=87962&seite=1
http://www.plattentests.de/
http://www.plattentests.de/rezi.php?show=13078

http://www.like-online.de/
http://www.like-online.de/entertainment/musik/artikel/details/1002924-beate-zschaepe-hoert-u2/

http://rap.de/news/76809-springstoff-kuendigt-refugees-welcome-sampler-fuer-wohltaetige-zwecke-an/

http://www.cityguide-rhein-neckar.de/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus/

http://www.cdtests.de/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus-2016/

http://www.testmania.de/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus-2016/

http://www.minutenmusik.de/rezension/refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus

http://soundchecker.koeln/against-raciscm

http://www.westzeit.de/rezensionen/?id=17804

http://pop10.de/musik-gegen-rassismus/
http://pop10.de/aus-liebe-zur-musik-die-neuste-stunde-pop10-anti-rassismus-spezial/

https://www.intro.de/popmusik/compilation-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus-u-a-mit-antilopen-gang-dirk-von-lowztow-und-sookie-feat-spezial-k

https://www.visions.de/platten/23040/v-a-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus

http://www.koeln-news.com/cd-refugees/23586

http://www.liederbestenliste.de/empfehlung

Keine Nation lieben

taz - 08.04.2016

aus: http://www.taz.de/Sampler-%E2%80%9ERefugees-Welcome%E2%80%9C/!5293450/

Die Macher des Samplers „Refugees Welcome“ wollen ein Gegengewicht zu Rassisten, AfD und Pegida schaffen. Die Erlöse gehen an Initiativen gegen rechts.

Wir sind viele. Das ist nicht nur der Titel eines Tocotronic-Songs. Das, so könnte man sagen, ist auch die einfache, schlichte und nötige Botschaft des heute erscheinenden Samplers „Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus“.
Enthalten sind darauf 22 Songs von eben zum Beispiel Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow – der hier allerdings mit seinem Spontanprotestsong „Fuck You Frontex“ vertreten ist-, Frittenbude oder Feine Sahne Fischfilet. Der Anlass für die Kompilation dürfte klar sein: Den Machern liegt es daran, nach mehr als 500 Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte im vergangenen Jahr, nach dem Erstarken von AfD, Pegida und dem rechtspopulistischen Spektrum ein Gegengewicht zu schaffen.
Testcard-Mitherausgeber Jonas Engelmann und Torsten Nagel, die das Album zusammengestellt haben, versammeln – zum Teil exklusive – prominente Künstler der Popszene. Alle Erlöse der Albumverkäufe, das in den Formaten CD und Doppel-LP erhältlich ist, fließen an lokale Initiativen gegen rechts.
Folgerichtig umfasst die Kompilation fast das gesamte Spektrum linker musikalischer Subkulturen und bringt Szenen zusammen, die sonst meist eher wenig miteinander zu tun haben. Die Düsseldorfer HipHop-Crew Antilopen Gang ist etwa mit ihrem Hit „Beate Zschäpe hört U2“ vertreten. Ihren Text sollte man auf Stammtischbierdeckel drucken oder mit AfD-Twitteraccounts hacken.
Mit der Wiener Künstlerin Gustav, die einen Chanson-Popsong beisteuert, und der Münchener Noiserock-Frauenband Candelilla sind weibliche Stimmen und Sprecherinnen vertreten. Also nicht nur: Wir sind viele. Sondern auch: Wir sind vielfältig.
Im Beiblatt finden sich Informationen über die Flüchtlings- und Asylsituation in Deutschland und der EU sowie über rechtspopulistische und -extreme Gruppen hierzulande. Sie richten sich wohl vor allem an ein jüngeres Publikum oder an Leute, die jetzt gerade beginnen, sich mit der gesellschaftlichen Situation im Land auseinanderzusetzen. Die Inhalte dürften für viele nichts Neues sein. Auch könnte man manche Songs zu plakativ und verkürzt finden, aber das sei an dieser Stelle mal nachrangig. Das Geld, das zusammenkommt, wird in Clausnitz, Freital, Dortmund und anderswo dringend benötigt.
Und es geht ja auch weniger plakativ: Die Stuttgarter Postpunks von Human Abfall etwa wiederholen in ihrem Song „Vom Grund der Haltung zur Grundhaltung“ monoton die Verse: „Über andere Kulturkreise kann (will) ich mir kein Urteil erlauben“, „Seit heute bin ich nicht mehr der traurigste Mensch Europas“ und, in Anlehnung an Gustav Heinemanns berühmtes Zitat, „Ich liebe keine Nation / ich liebe meine Frau und meine Kinder“. Das klingt frisch und aber auch dringlich.
Das Geld wird in Clausnitz dringend benötigt
Dass man politisch sein kann und zugleich unterhaltsam, zeigt die hoffentlich bald weltbeherrschende Punkband Pisse, die übrigens aus Hoyerswerda stammt. Sie unterlegt ihren Song „Scheiß DDR“ mit einigen Samples des Moderators und taz-Autors Klaus Walter, der ihren Songtext liest. Aus „Scheiß DDR“ wird „Scheiß BRD“ wird „Scheiß Europa“. Dazu gibt es fricklige Synthies – und fertig ist der launige Anti-Nazi-Hit.

REFUGEES WELCOME
„Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus“ (Springstoff/Indigo), 18,00 Euro

Musik gegen Rassismus: Refugees Welcome Sampler

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aus: http://pop10.de/musik-gegen-rassismus/

Asylantenheime brennen und rechte Parteien bekommen wieder Aufwind: Fremdenfeindlichkeit ist immer noch ein Problem. Jetzt hat das Berliner Label Springstoff einen Sampler mit insgesamt 22 Songs bekannter Bands gegen jeden Rassismus herausgebracht. In der Soli-Aktion soll außerdem über Asylpolitik aufgeklärt werden.

Während mehr Flüchtlinge nach Europa gelangen, wächst auch der Rassismus in Deutschland. Die Mitte kippt nach rechts, heißt es. Viele schließen sich der braunen Bewegung an, auch wenn sie eigentlich gegen Nazis sind. Sie haben Angst vor Überfremdung. Umso wichtiger ist es, über die Situation aufzuklären. Das haben sich Jonas Engelmann und Torsten Nagel von Kupo e.V. in Zusammenarbeit mit dem Ventil Verlag zur Aufgabe gemacht. Auf einem Sampler haben insgesamt 22 Bands Musik gegen rechts beigesteuert. Herausgegeben wird die Platte vom Berliner Musiklabel Springstoff. Doch Musik ist nicht alles, was ihr bekommt: Im Booklet gibt es auch zahlreiche Daten und Fakten zu Asyl, Flüchtlingen und rechten Akteuren.

Mehr unter Pop10.de

Ein Soundtrack für den Aufstand

Deutschlandradio Kultur - 08.04.2016

aus: http://www.deutschlandradiokultur.de/popmusik-gegen-fremdenhass-ein-soundtrack-fuer-den-aufstand.2177.de.html?dram%3Aarticle_id=350699

Popmusik gegen Fremdenhass
Von Ina Plodroch

Heute erscheint ein Benefiz-Sampler mit dem Titel „Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus“: 22 Musiker und Bands aus Deutschland und Österreich haben dafür Songs beigesteuert oder exklusiv neue aufgenommen. Mit dabei ist auch Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow.

Nachrichten-Schnipsel im Rap-Song von der Hamburger Rap-Gruppe Neonschwarz. Pegida marschiert seit mehr als einem Jahr, die AfD ist bittere Realität im zweistelligen Prozentbereich geworden. Willkommenskultur trifft auf Fremdenhass. Und die deutsche Popmusik?

„Fuck you Frontex“

Rappt die politische Parole oder hofft auf Besserung wie Dirk von Lowtzow, Sänger von Tocotronic, in seinem Song-Entwurf.

„Fuck you Frontex. Entgrenzung jetzt bis es euch zerfetzt. Ich bin mir sicher, es kommt der Tag an dem der Ausschluss ein Ende hat.“

„Das war 2014 nach einer weiteren Flüchtlings-Havarie, spontan geschrieben, auf Videokamera gefilmt und ins Netz gestellt. Alles innerhalb von 20 bis 25 Minuten, um meiner Empörung über die mörderische europäische und damit natürlich auch deutsche Abschottungspolitik Ausdruck zu verleihen. Der Song findet sich jetzt eben in genau der Version auf dem Sampler.“

Mit dem Titel „Refugees Welcome“, zusammengestellt von Jonas Engelmann vom Ventil-Verlag und Torsten Nagel von dem Verein Kupo, der sich für Projekte mit emanzipatorischem Inhalt einsetzt. Ein Soli-Sampler, weil „Wir schaffen das“ und Willkommenskultur gar nicht mehr selbstverständlich scheinen. Torsten Nagel:

„Die Übergriffe gegenüber Geflüchteten nahmen zu, das ging bis weit in die bürgerliche Mitte rein, sodass wir es in Düsseldorf erlebt hatten, dass eigentlich in gut situierten Stadtteilen sich Initiativen gründeten, die gegen eine Flüchtlingsunterkunft mobil machten. Und wir haben dann gedacht: ‚Jetzt müssen wir das machen mit dem Sampler‘.“

Viele Songs gab’s schon, andere sind neu
22 Protest-, Polit- und Flüchtlings-Songs über „The Walking Deutsch“, die sich für das Volk halten, offene Grenzen, befremdlicher Fremdenhass. Elektro-Punk von Egotronic, Frittenbude, Indie-Pop von A Tribe Called Knarf oder Hip Hop von Denyo oder Sookee. Viele Songs gab’s schon, andere sind neu. Der „Soli-Sampler“ funktioniert natürlich wie ein Benefiz-Konzert. Pop für „die gute Sache“:

„Der Zweck scheint mir zu sein, Spendengelder zu sammeln. Und das ist ja auch sehr richtig“,

findet Dirk von Lowtzow. Pop als Spendensammelapparat hat eine lange Tradition: Peter Gabriel, U2, Bob Geldof. „Arsch Huh“ aus Köln, Tocotronic unterstützt „Pro Asyl“. Und auf dem Sampler „Kein Mensch ist illegal“ haben männliche Popmusiker aus Deutschland im Oktober 2015 geflüchtete Menschen willkommen geheißen. Etwa 10.000 Mal wurde der Sampler verkauft. Vier bis fünf Euro gehen pro CD als Spende an „Pro Asyl“ und „Kein Mensch ist illegal“.

Torsten Nagel rechnet zusammen: Wenn sich alle 1000 Schallplatten und 2000 CDs von „Refugees Welcome“ verkaufen – bei Soli-Sampler gar nicht unwahrscheinlich, weil die musikalische Qualität zweitrangig scheint – dann könnten 10.000 Euro gespendet werden. Ist das viel?

„Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es hilft. Aber es sind ja nicht nur die Spendengelder, sondern der Sampler wirkt ja auch für sich.“

Popmusik über Migration und geschlossene Grenzen
Popmusik über Migration, über offene und geschlossene Grenzen. Als Denkanstoß oder mit Parole. Bewirkt das wirklich etwas gegen Fremdenhass, integriert das geflüchtete Menschen. Unter Dirk von Lowtzows „Fuck You Frontex“-Song auf Facebook kommentierten die Fans „liebe und dankbarkeit“ oder „love love love for this“. Sind diese 22 Songs – die fast alle ziemlich gut sind – also letztlich „Preaching to the converted“? Erreichen Popsongs über die Flüchtlingswelle also nur die, die eh sagen „Fuck you Frontex“? Dirk von Lowtzow meint:

„Sicherlich ein Problem dieser Songs, dieser Sampler. Ich persönlich sehe das als nicht so problematisch an, dieser Song und Sampler das sind Dinge, die Mut machen sollen, im gemeinsamen bemühen, gemeinsamen Kampf und so weiter – insofern möchte ich Rassisten und Flüchtlingsfeinden und Angsthasen gar nicht erreichen oder umstimmen, sondern ich möchte sie bekämpfen.“

Ein Soundtrack für den Aufstand. Oder doch eher drei Minuten politischer Tanz. Die Antilopen Gang aus Düsseldorf ruft nicht zum Protest auf wie Neonschwarz aus Hamburg beispielsweise. Sondern reflektiert gesellschaftliche Stimmungen in ihren Songs, erzählt Koljah von der Antilopen Gang:

„Wir sind der Meinung, dass wir den Rap, den wir machen, dass wir den keinen Zweck unterordnen müssen. Also wir haben kein Politisches Programm, was wir mit Rap vermitteln wollen. Für uns steht Rap, die Kunst, an erster Stelle.“

Deutsche Indie-Musiker oder Rapper gegen Deutschland, für offene Grenzen über Menschen, die flüchten müssen. Ein innerdeutscher Dialog. Der sagt: ‚kommt her, ihr seid willkommen‘. Das ist wichtig, allzu große Hoffnungen sollte man daran aber nicht knüpfen.

Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus

Visions - 01.04.2016

VisionsRWErneut setzt eine Compilation ein Zeichen gegen Rassismus und für Flüchtlingshilfe. Einige der Songs sind auf dem Sampler erst- mals regulär erhältlich. Im vergangenen Ok- tober organisierte bereits das Kölner Label Unter Schafen einen Bene zsampler, mit dem zahlreiche deutsche Künstler aus dem alternativen Spektrum wie Casper, Pascow, Farin Urlaub, Kraftklub, Tur- bostaat, Deichkind und Thees Uhlmann sich gegen den derzeit grassie- renden Rassismus und Fremdenhass in Deutschland wandten und Geld für die Unterstützung von Flüchtlingen sammelten. Nun haben Jonas Engelmann und Torsten Nagel vom Berliner Polit-Label Springsto ebenfalls eine Compilation zusammengestellt, um auf das Thema auf- merksam zu machen. Mit der Antilopen Gang, Egotronic, Beginner- Rapper Denyo und Feine Sahne Fisch let gibt es hier nur zum Teil grö- ßere Namen, stattdessen ist allen Künstlern gemein, dass sie sich konse- quent für politische Themen einsetzen. Fast die Hälfte der 22 Songs erscheint erstmals auf einem Album, den improvisiert auf Youtube ge- stellten Anti-Grenzschützer-Song Fuck You Frontex von Tocotronics Dirk von Lowtzow, Zusammenhänge von der alternativen Rapperin Sookee oder Frittenbudes neuen Song Oury über den in Polizeigewahrsam verbrann- ten Oury Jalloh bekommt man exklusiv auf dem nur als CD und auf Vi- nyl erscheinenden Sampler. Ein 27-seitiges Booklet ergänzt die politi- schen Messages mit detaillierten Zahlen und Fakten zur Flüchtlingskri- se und der Neuen Rechten in Deutschland rund um Bewegungen wie Pegida und die AfD. Sämtliche Einnahmen werden an rund ein Dutzend lokale, selbstorganisierte, antirassistische Initiativen gespendet, die ebenfalls im Booklet aufgelistet sind. dennis drögemüller
[Indie | Punkrock | HipHop]

Interview: Fragen zum Refugees Welcome Release

Urbanite - Stadtmagazin Leipzig - 01.04.2016

aus: https://issuu.com/urbanite/docs/urbanite_leipzig_april_2016 (S.64)

Gegen jeden Rassismus! Das ist die Botschaft des Release „Refugees Welcome“. Ein Projekt von und für Menschen, die für Solidarität eintreten und sich Rassismus entgegenstellen. Mit der Unterstützung bekannter Künstler wie Dirk von Lowtzow (Tocotronic), Frittenbude, Feine Sahne Fischfilet, Egotronic, Mal Elévé (Irie Revoltés) sind dabei exklusive Songs entstanden. In Kooperation mit dem Springstoff Label wird der Sampler am 8. April veröffentlicht. Jonas Engelmann und Thorsten Nagel wollen aufklären, um einem rassistischen Normalzustand entgegen zu wirken. Sämtliche Erlöse des Albums werden lokalen antirassistischen Initiativen zur Verfügung gestellt. Wir befragten Thorsten Nagel zum Release.
LISA HERFURTH

1 Was war für euch der Auslöser zu sagen: „Jetzt müssen wir etwas gegen Rassismus machen“?

Die Idee kam uns schon im Sommer 2013. Die Situation für Flüchtlinge in Europa spitzte sich weiter zu, der Rassismus in der Gesellschaft stieg weiter an und wir vermuteten, wenn es weiter so gehe, könnten sich ähnliche Situationen wie Anfang der 90er Jahre wiederholen.
(Anm. d. Red.: Ausschreitungen in Rostock Lichtenhagen zwischen dem 22. und 26. August 1992. Eine Aufnahmestelle für Asylbewerber wird von mehreren rechtsextremen Randalierern in Brand gesteckt und bis zu 3.000 applaudierende Zuschauer behindern den Einsatz von Polizei und Feuerwehr, bis diese letztendlich abzieht und die Menschen völlig auf sich allein gestellt sind.) Dem wollten wir unbedingt entgegensteuern. Dann haben wir einfach losgelegt. Einen besseren Zeitpunkt kann man sich nicht vorstellen, da die anfängliche Willkommenskultur am Kippen ist. Nach alledem, was sich die Rechten momentan trauen, war es für uns an der Zeit, dem entgegenzusteuern. Im Zuge des letzten Projekts „No Border“ haben wir bereits ein Buch veröffentlicht. Mit der CD wollen wir jetzt vor allem junge Leute erreichen. Der beiliegende Sampler soll Zusatzinformationen liefern und dabei möglichst leicht verständlich sein.

2 Wie seid ihr auf die Künstler zugegangen?

Wir haben einfach bei den Künstlern angefragt und viele waren dann gleich positiv eingestimmt und wollten unbedingt extra einen Song für den Release schreiben.

3 Mit „Deutschland, Arschloch, Fick dich“ von Egotronic z.B. schlagen die Lieder teilweise einen sehr rauen Ton an. Muss man das, um die Botschaft rüberzubringen?

Das ist schon so gewollt. Die Lieder sollen eine deutliche Position einnehmen. Viel wichtiger war uns aber, eine musikalische Vielfalt zu schaffen, die wir genau durch solche unterschiedlichen Künstler haben.
4 Sind wir, anlässlich aktueller Geschehnisse, wirklich „der böse Osten“?
Es ist völlig egal, wo man wohnt, oder wie man gesellschaftlich aufgestellt ist. Rassismus zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten durch und ist sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern vertreten. Das „Wegschauen“ der Politik hat maßgeblich dazu beigetragen, dass vor allem auch die organisierte rechte Szene in vielen Regionen in Ruhe arbeiten konnte.

5 Was wollt ihr mit dem Projekt erreichen?

Wir hoffen natürlich, dass sich die CD oft verkauft. Ziel ist es, ein großes Spektrum an Menschen zu erreichen. Daher haben wir in unserem Sampler versucht, die Flüchtlingspolitik für jeden verständlich zu erklären und mit Vorurteilen und Missverständnissen aufzuräumen. Wir wollten vor allem auch Politikverdrossene damit erreichen, um zu signalisieren, dass es jeden etwas angeht. Wenn das dann den Effekt hat, dass sich die CD gut verkauft und Geld für antirassistische Projekte reinkommt, ist das natürlich ein doppelter Gewinn.

6 Sind weitere Projekte geplant?

Wir denken gerade über ein AntiRassismus-Festival nach. Aber zuerst würden wir gerne mit den Künstlern auf Tour gehen. Die Bands nehmen die CD aber auch ohnehin mit zu ihren Konzerten und verkaufen sie vor Ort. So streut das Ganze nochmal.

7 Wie wird sich deiner Meinung nach die Situation in Deutschland weiterentwickeln?

Die Situation in Deutschland wird sich dieses Jahr weiter zuspitzen und polarisieren. Meiner Meinung nach wird die AfD weiter an Wählern gewinnen. Immer mehr Leute werden auf diesen rechtspopulistischen Zug aufspringen. Bei all dem, was sich die Rechtsextremisten momentan so trauen, scheint es, als wäre es Trend, contra Refugees zu sein. Von daher glaube ich, dass die CD, die jetzt erscheint, total notwendig ist, um gegenzusteuern. Die Grenzen werden de facto dicht bleiben. Immer mehr Menschen werden sich auf die Flucht begeben. Es wird höchste Zeit, eine Debatte hinsichtlich der Verteilung von Flüchtlingen zu führen, denn die Menschen werden weiterhin kommen! Aufgrund des Klimawandels wird vielleicht beispielsweise Bangladesch durch den steigenden Wasserspiegel irgendwann nicht mehr da sein. Oder die Dürreperioden in Afrika zwingen die Menschen zur Flucht, was ja auch völlig nachvollziehbar ist. Aber nicht nur das, es ist auch das Wirtschaftssystem, dass die Menschen aus ihrem Land treibt. Das liegt unter anderem an Wirtschaftsmächten wie Europa, Amerika und Asien, die mit günstigeren Waren den Markt beherrschen. Die Konsequenz ist, dass in vielen Regionen die Lebensgrundlage fehlt. Hier laufen einfach so viele Faktoren ineinander. Es ist meiner Meinung nach keine Lösung, die Festung Europa weiter auszubauen und sich ab- zuschotten. Es sollte einen absoluten Turnaround in der Politik geben. Aber nicht nur in Deutschland ist die Situation angespannt, in Frankreich bspw. sieht es nicht anders aus. Die An- und Übergriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte werden zunehmen. Das Thema wird uns die nächsten Jahrzehnte noch beschäftigen.

8 Was kann denn „der Einzelne“ tun?

Erst einmal ist es wichtig, hinzusehen und sich einzugestehen, dass es so nicht weitergehen kann. Dann sollte man sich informieren und zu guter Letzt nicht von der Masse mitreißen lassen – aus Angst, dass man in der Gesellschaft ausgegrenzt wird.

 

COMPILATION: »REFUGEES WELCOME – GEGEN JEDEN RASSISMUS«

Intro - 01.04.2016

aus: https://www.intro.de/popmusik/compilation-refugees-welcome-gegen-jeden-rassismus-u-a-mit-antilopen-gang-dirk-von-lowztow-und-sookie-feat-spezial-k

INTROU.A. MIT ANTILOPEN GANG, DIRK VON LOWZTOW UND SOOKIE FEAT. SPEZIAL K
Freital, Heidenau, Meißen, Clausnitz, Bautzen – der Mob gegen Flüchtlinge tobt. Die Süddeutsche Zeitung titelte zu den neuesten Vorkommnissen auf ihrer Seite drei: »Routine«. Erbärmliches Deutschland. 

Die Bilder aus Clausnitz waren abartig. Noch schlimmer: Der rassistische Mob, der dort sein Unwesen trieb, ist nur einer von vielen, die seit Monaten und Jahren in diesem Land relativ frei agieren können (»Und Max Mustermann zündet ein Flüchtlingsheim an. Deutschland, Deutschland zu tüchtiges Land«, Antilopen Gang). Man will diese Bilder nicht mehr sehen, dabei wäre Wegschauen noch schlimmer (»Jeder, der die Fresse hält, wird indirekt zum Helfer«, Sookee feat. Spezial-K). Der Staat versagt, anders kann man es nicht nennen, wenn einem AfD-Mitglied mit der Leitung einer neuen Unterkunft für Geflüchtete ein bezahltes Engagement übergeben wird. Die Polizei, besonders die sächsische, weiß sich und ihr Versagen Woche für Woche neu zu entschuldigen und lässt die Wut auf staatliche Behörden nur weiter anwachsen (»Niemand muss Bulle sein!«, Feine Sahne Fischfilet). Umso wichtiger werden aktive Zeichen gegen rechte Gewalt. Die Compilation »Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus« fasst den Protest so gut wie noch kein anderer Sampler vorher in Songs. Wenn Künstler wie Dirk von Lowtzow, Egotronic, Antilopen Gang und Feine Sahne Fischfilet dem rassistischen Normalzustand etwas entgegensetzen, kann das Mut geben und Antrieb sein.Die CD ist hier erhätlich.
Diverse »Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus«  Springstoff / Indigo / VÖ 08.04.16

Antirassismus zum Hören

Terz - 01.04.2016

Dirk von Lowtzow, Egotronic, Frittenbude, Feine Sahne Fischfilet und andere – alle erheben sie auf dem Soli-Sampler „Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus“ ihre Stimme gegen Pegida, AfD & Co. Mitinitiert hat die CD/DLP der Düsseldorfer Verein KuPo e.V.

Ausgangspunkt für die Idee zu dem Soli-Sampler »Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus« war die Einschätzung im Sommer 2013, dass sich die Situation für Geflüchtete in Europa immer weiter verschärfen wird. Zum einen durch die restriktive Asylpolitik Europas und Deutschlands, die jährlich tausende Geflüchtete das Leben kostet, zum anderen durch einen Rassismus, der bis tief in die Mitte der Gesellschaft reicht. Durch die Ereignisse in Berlin Hellersdorf, Duisburg Neumühl, Wolgast etc. war die Gefahr einer rassistischen Pogromstimmung wie zu Anfang der 1990er real.

Die Soli-CD sollte eigentlich schon im Rahmen des No Border Projekts (http://www.no-border.info) erstellt werden. Aufgrund der Projektförderung durften jedoch keine Einnahmen generiert werden, so dass die CD erstmal verschoben wurde. Im September 2015 starteten wir, der Düsseldorfer Verein KuPo e.V. und der Mainzer Ventilverlag in Kooperation mit dem Berliner Label SPRINGSTOFF, mit der Umsetzung des Samplers.

Warum jetzt? Die vielen Spenden und die tatsächliche Willkommenskultur von unzähligen Ehrenamtlichen im Sommer 2015 überraschte und vermittelte zunächst eine andere Stimmung als zu Anfang der 1990er-Jahre, als Menschen, die sich für Geflüchtete einsetzten, in der Minderheit waren.

Aber dann zeichnete sich eine Polarisierung der Gesellschaft ab, in der zu viele offen für rassistische Propaganda sind.

Pegida mobilisiert seit Herbst 2014 bis zu 20.000 Menschen in Dresden mit rassistischer Brandstifterstimmung. In diversen Städten, wie auch in Düsseldorf, gibt oder gab es Ableger, die wöchentlich rassistisch hetz(t)en,  in denen rechte Mobs Pogromstimmung verbreiten, Jagd auf Geflüchtete machen oder antifaschistische Menschen, bzw. gleich einen ganzen Straßenzug wie in Leipzig-Connewitz, angreifen. Die 2015 verübten über 1.000 rassistischen Angriffe gegen Geflüchtetenunterkünfte, flächendeckend über die gesamte BRD verteilt und fünf mal so hoch wie 2014, sind ein deutliches Zeichen, dass von der Willkommenskultur der Politik nicht viel übrig geblieben ist und die Stimmung weiter kippt. Ereignisse wie die sexistischen Angriffe in Köln und in anderen Städten in der Silvesternacht werden für eine rassistische Stimmungsmache instrumentalisiert. Es bleibt zu befürchten, dass die von der Bundesregierung und dem Bundesrat beschlossenen Gesetzesverschärfungen im Asylbeschleunigungsgesetz und dem Asylpaket II zum Motor für einen weiteren Stimmungsumschwung in der Bevölkerung werden und die Festung Europa sich weiter abschottet und den Tod von Menschen bewußt in Kauf nimmt.

Das Problem sind jedoch nicht die Menschen, die vor Hunger und Krieg fliehen müssen, alles verloren haben und denen neben ihrem eigenen Leben nur noch die Sorge um ihre Nächsten geblieben ist, die sie in der Unsicherheit zurücklassen mussten. Das Problem ist die Profitgier des Kapitalismus mit seiner perfiden menschenverachtenden Verwertungslogik und kriegerischen Destabilisierungen.

Der Sampler will über Asylpolitik und Rassismus aufklären und einem rassistischen Normalzustand etwas entgegensetzen. dazu gibt es ein umfangreiches, 28-seitiges Booklet. Es sollen Menschen unterstützt werden, die für Solidarität mit Geflüchteten und People of Color eintreten und sich Rassismus und Rechtspopulismus entgegenstellen. Sämtliche Erlöse werden selbstorganisierten antirassistischen Initiativen im ländlichem Raum zur Verfügung gestellt. Viele der Songs wurden exklusiv für den Sampler produziert (*). Mit dabei sind:

01. Dirk von Lowtzow: Fuck You Frontex
02. Brockdorff Klang Labor: Festung Europa
03. Egotronic: Deutschland, Arschloch, Fick dich
04. Antilopen Gang: Beate Zschäpe hört U2
05. Sookee feat. Spezial-K: Zusammenhänge
06. Human Abfall: Vom Grund der Haltung zur Grundhaltung
07. Das Bierbeben: Dunkle Tage
08. Neonschwarz: 2014
09. Feine Sahne Fischfilet: Wut Feat. Waving The Guns
10. Denyo: Gegenwind
11. Candelilla: 31
12. Dropout Patrol: Gatekeepers of Blooming Scenery
13. Form: Das Boot ist voll
14. Frittenbude: Oury
15. A Tribe Called Knarf: Mein Nachbar ist ein Alien
16. Das Flug: Deutlich unterbewaffnet in Hellersdorf
17. Pisse: Scheiß DDR (Remix Feat. Klaus Walter)
18. Mal Elévé/Chaoze One/Microphone Mafia: Espoir
19. Berlin Boom Orchestra: Ums Ganze
20. Kobito feat. Spezial-K: The Walking Deutsch
21. Les Trucs: Zur Situation Von Konstruktionen
22. Gustav: At the River’s Edge

Der Sampler als CD und DLP erscheint am 08.04. im Handel.

http://gegen-jeden-rassismus.de